Arc 1 Kapitel 1

Ich kann die 10-Yen Münze nicht benutzen

Das entwickelte sich zu einer echt doofen Situation.

Pleite und verwirrt, das war das einzige, woran er gerade dachte.

Nunja, pleite ist nicht ganz richtig. In seiner Hosentasche befand sich eine Brieftasche, die zwar etwas mehr Münzen als Rechnungen enthielt, aber trotzdem war es etwas wert.

Subarus finanzieller Stand sah so aus, dass er von seinem Haus bis zum nächsten Einkaufszentrum und dann beim Buchladen einkaufen könnte. Anschließend könnte er noch zu Mittag essen. Und dennoch, es gab keine andere Möglichkeit, als ihn als pleite zu bezeichnen.

Jedenfalls,

[Subaru: Genau wie erwartet, die Währung hier ist komplett anders…]

Der junge Mann warf eine geriffelte 10-Yen Münze in die Luft und seufzte.

Subaru war ein Junge ohne besondere Eigenschaften. Schwarze Haare und eine Durchschnittsgröße, weder groß, noch klein. Seine Statur sah so aus, als würde er Sport machen, da er leicht muskulös wirkte, außerdem trug er eine billige, graue Jersey-Jacke, die etwas sportlich aussah.

Sein scharfes, sichtbares Weiß* zwischen der Iris und den Ecken seiner Augen machte als einziges einen bleibenden Eindruck, aber gerade jetzt waren seine Augenwinkel leblos und herabhängend, ohne jelichem Zeichen von Ehrgeiz.

Seine Erscheinung war so gewöhnlich, wenn er in einer Menschenmenge wäre, würde man ihn sofort aus den Augen verlieren.

Aber die Leute guckten in trotzdem kurios an, so als ob er ein „Fremder“ wäre.

Das war auch kein Wunder – von allen Personen, die auf ihn starrten, war keine einzige mit „schwarzen Haaren“ oder einer „Jersey-Jacke“ dabei.

Sie hatten kurzes Haar, es war blond, weiß, braun und es gab sogar besondere Farben wie grün oder blau. Sie trugen Rüstungen, Outfits, die wie die von Tänzern aussahen, schwarze Roben und ähnliche Kleidung.

Als er eine Welle von hemmungslosen Blicken auf sich zog, war der Junge Mann gezwungen, die Realität zu erkennen und verschränkte seine Arme.

[Subaru: In anderen Worten, das ist eins von diesen.]

Subaru schnippte seine Finger und zeigte auf die guckenden Leute.

[Subaru: -es sieht aus, wie eine Beschwörung in eine andere Welt.]

Direkt vor seinen Augen, kreuzte eine große echsenartige Kreatur, die eine Art Kutsche mit sich zog, seinen Weg.

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Natsuki Subaru wurde während der Heisei-Zeit in der Yutori-Bildungs-Periode geboren, wo Schüler mit mehr Freiheit unterrichtet wurden.

Aktuell lebt er seit 17 Jahren und es würde weitere 17 Jahre dauern, um über alles zu reden, was in der Zeit passiert ist.

Lässt man diese Details aus, war er, in einfachen Worten gesagt, ein „Oberstufenschüler-Hikikomori“ **.

Um genauer zu sein, er war eine „Person, die, obwohl sie hätte für die Prüfungen lernen hätte müssen, die Erwartungen seiner Eltern ignorierte und von der Außenwelt isoliert in seinem Zimmer lebte, einem Haufen Müll, dem nicht mehr geholfen werden konnte.

Es gab keinen besonderen Grund, warum er sich von der Gesellschaft isolierte.

Eines Tages dachte er sich „Heute aufzustehen ist mir zu anstregend“ oder sowas in der Art, und von da an began er, den Unterricht zu schwänzen.

Das Ganze zog sich ungefähr so an und seine Abwesenheiten nahmen zu. Als er es bemerkte, war es schon zu spät. Er wurde zu einem Hikkikomori, der seine Eltern zum Weinen brachte.

Subaru verbrachte all seine Tage in Trägheit und sank tiefer in das Internet, ohne Kommunikation mit anderen.

[Subaru: Und das Ergebnis ist, in eine andere Welt beschworen worden zu sein, was? Ich habe keine Ahnung mehr, was hier los ist.]

Als er mal wieder die Situation überprüfte, seufzte Subaru ein weiteres Mal.

Er verließ die Straße, ließ die neugierigen Blicke der Leute hinter sich und setzte sich in einer leicht dunklen Seitengasse hin.

Der Boden war gepflastert, und verglichen mit dem modernen Japan etwas uneben, aber er war nicht schlecht.

[Subaru: Angenommen, das ist einer dieser Beschwörungen in andere Welten, ist das also das sagenumwobene Mittelalter-Setting? Also ich habe bis jetzt noch keine einzige Maschine gesehen und die Gebäude sind zum Großteil aus Stein oder Holz…]

Er organisierte seinen Verstand, während er sich an die Szene erinnerte, die er sehen konnte, bevor er sich in der Seitengasse hinsetzte.

Seit es für ihn normal war, seine Zeit mit fantasieren zu verbringen, war sein Herz gut auf die Beschwörung in eine andere Welt vorbereitet.

Als erstes lernte er die Unterschiede zwischen dieser Kultur und dem modernen Japan kennen. Es war auch wichtig, die physikalischen Unterschiede und die Möglichkeit auf „menschliche Kreaturen“ zu stoßen, in Erwägung zu ziehen.

[Subaru: Okay, ich hab’s. Ich war nicht die ganze Zeit am Fantasieren nur für die Show. Ich habe das Niveau der Zivilisation erkennt und das Geld, das ich mitgebracht habe, kann ich hier nicht verwenden. Nachdem ich die Gelegenheit hatte, mit dem Ladenbesitzer zu reden, sieht es so aus, als gibt es keine Probleme mit der Kommunikation.]

Nachdem er begriffen hatte, dass er beschworen wurde, war das erste was Subaru tat, mit einem „Händler?“ zu verhandeln. Als er versuchte, „Äpfel?“, die in einer Reihe vor dem Stand standen, zu kaufen, wurden seine Yen Münzen abgelehnt.

Von dem, was er gesehen hat, bestand die Währung aus Gold-, Silber- und Bronzemünzen. Die Währung war etwas wert und gleichzeitig auch leicht zu verstehen, so wie man es von einer anderen Welt mit Fantasy-Setting erwarten konnte.

[Subaru: Also gut, Sachen hergestellt aus gemischtem Metall sind weniger gut. Wenn es hier sowas wie die 500-Won Münze geben würde, wäre sie wohl auch abgelehnt worden…]

Es muss verdammt schwer, zu tragen sein, dachte sich Subaru, als erneut eine Echse in der Nähe eine Kutsche hinter sich schob. Das sprühte eine Menge Staub in die Luft, aber die Leute gingen einfach weiter. Ihnen war es egal, sie waren daran gewöhnt.

[Subaru: Verglichen mit Autos gibt es hier nicht viele Kutschen. Wenn ich es mir recht überlege, dann habe ich bis jetzt weder Katzen noch Hunde gesehen.

Möglicherweise war die Riesenechse, die die Kutsche hinter sich zog, größer als normale Pferde. Sie hatten etwas schlankere Proportionen, aber die Gesamtmasse war wahrscheinlich gleich viel. Die Tatsache, dass Reptilien solcher Größe überhaupt existieren, löste bei Subaru ein Gefühl des Unbehagens aus.

[Subaru: Die Erscheinung der Echsen und der Leute… So typisch…]

Und zu guter Letzt überprüfte Subaru das eigenartige Aussehen der Leute.

Er bemerkte, dass es verschiedene Haarfarben gab. Wenn man sie färben würde, gäbe es grundsätzlich die Möglichkeit, jede Haarfarbe zu bekommen. Da das hier eine Fantasywelt ist, nahm er es einfach so hin.

Um was er sich sorgte, war ein anderes Problem…. Zum Beispiel „Kemomimi“, die Kreaturenohren-Rasse.

Von dem, was er sah, entdeckte er Leute mit „Hundeohren“ und „Katzenohren“. Es sieht so aus, als gäbe es auch eine „Hasenohren“ Rasse und eine seltsame, mutierte Version einer „Echsenrasse“.

Aber es gab auch Leute, die aussahen, wie Subaru, von daher war seine Schlussfolgerung folgende-,

[Subaru: Das Genre ist Fantasy in einer anderen Welt. Die Zivilisation hat dein typisch mittelalterliches Setting. Die Welt ist gefüllt mit Halbmenschen und allem Anschein gibt es hier viele Kriege und Abenteuer. Es gibt zwar kleine Unterschiede zwischen den Tieren der Welten, aber es sieht so aus, als hätten sich ihre Pflichten nicht verändert.]

Nachdem er seinen Mund schloss, ließ Subaru einen weiteren Seufzer aus.

Als er seine Situation in Worte gefasst hat, runzelte er seine Stirn wegen des Opportunismus*** dieser Entwicklung.

Laut seiner Fantasie könnte er sein modernes Wissen nutzen, um super OP² zu werden, aber das Wissen, dass er sich angeeignet hatte, war ein wenig anders als das, was er in dieser Welt verwenden konnte.

[Subaru: Man, es wäre perfekt, wenn ich zur Zeit der Streitenden Reiche³ geschickt werden würde. Wenn ich dorthin geschickt werden würde, würde ich den Sitz des Kaisers von Nobunagas in Anspruch nehmen.]

In einer Fantasywelt, ist nützliches Wissen etwas anderes. Zum Beispiel die Herstellung und Verwendung von Schießpulver.

Selbst mit diesem Niveau der Zivilisation hier könnte es anders sein. Wenn „Magie“ in dieser Fantasywelt existieren würde, würde man Schießpulver nur für Feuerwerke verwenden.

[Subaru: In manchen Fällen kann Magie auch nicht alles. Vielleicht bekomme ich einmal die Chance, einer wissenschaftlichen Entwicklung beizutragen… Wie auch immer, das Problem liegt auf Hand…]

Er hatte keine Ahnung, was ihn beschworen hatte und erst Recht nicht, warum.

Er konnte sich gut, an das, was vor seiner Beschwörung passierte, erinnern. Er verließ nach langer Zeit mal wieder das Haus und war auf dem Rückweg, nachdem er einen Becher Ramen für das Abendessen beim Gemischtwarenladen gekauft hatte. Er hatte keine Lust Fahrrad zu fahren, also ging er zu Fuß.

Und auf dem Weg zurück, so erinnert er sich, guckte er hinauf in den Himmel und dachte sich: „Es ist heute fast Vollmond, was?“

In dem Moment, als er seinen Blick senkte, war es plötzlich Mittag.

In einem Augenblick wurde die Nacht zum Tag.

Er wusste sofort, dass etwas Seltsames passiert ist. Und das war auch schon das einzige, was er wusste.

Inzwischen hat er sich beruhigt, aber kurz danach bekam er Panik. Er dachte, er hätte jetzt eine Geschichte für seine Nachkommen.

[Subaru: Nun, ich schätze, wenn der älteste Sohn verschwindet, wird es keine Nachkommen geben.]

Als er das vor sich hinmurmelte, überprüfte er wieder die Items, die er dabei hatte.

(Items = Gegenstände, ich denke, ich lasse das auf Englisch, weil das auch bei Gamern auch im Deutschen benutzt wird und Subaru ist ein Gamer und so. Ich weiß, gute Begründung.)

In einer Fantasywelt ist das Startequip (=Startausrüstung) wichtiger, als man es sich vorstellen konnte. Egal was man dabei hatte, der Fakt, DAS man es dabei hat, ist entscheidend.

Ein Handy mit einem fast toten Akku, eine Brieftasche mit mehreren gemieteten Videothek-Mitgliedschaftskarten, der Becher Ramen mit Tonkonsu-Shoyu-Geschmack, den er sich beim Gemischtwarenladen gekauft hatte, einer Maispotage Chipspackung vom selben Laden, seine abgetragene, ungewaschte, graue Jersey und zu guter Letzt seine seit 2 Jahren getragene Turnschuhe. Das war sein Startequip.

[Subaru: Es ist schon vorbei… Warum habe ich nicht eine Pistole oder so dabei? Was soll ich nur machen?]

Das einzig nützliche waren die Chips, die den Hunger stillen konnten. Aber nur die Chips alleine reichten auch nicht.

[Subaru: Es ist hoffnungslos. Und wie erwartet, kenne ich immer noch nicht den Grund, warum ich hier bin. Ich kann mich nicht daran erinnern, in einen Spiegel geguckt zu haben oder in einen See gefallen zu sein. Und am Wichtigsten: Wenn ich hierher beschworen wurde, wo ist das wunderschöne Mädchen, das mich beschworen hat?]

Das Fehlen der Heldin, um es mal so zu sagen, ist eine undenkbare Fahrlässigkeit in der 2D-Welt.

Er wurde ohne Ziel beschworen und dann alleine gelassen, sieht so aus, als wurde er verlassen.

Nachdem er die Situation begriffen hatte, war er nicht mehr fähig, vor der Realität zu flüchten, und konnte nur noch seinen Kopf hängen lassen.

[Subaru: Jetzt halt mal die Luft an! Ernsthaft! Was willst du mir sagen…?]

Nach seinen Beschwerden, war er kurz vor dem Zusammenbrechen. Er wollte nur noch nach Hause.

Die Fantasien hätten einfach Fantasien bleiben sollen. Als er sich vorstellte, super OP zu sein und in einer Fantasywelt zu kämpfen, hatte er echt Spaß. Und in diesem Fall konnte er auch was anderes tun, als vor dem Wurf in eine andere Dimension zurückzuschrecken.

[Subaru: Jedenfalls, für’s erste ist es mein Ziel, zu überleben… Aber kann ein Charakter wie ich mit Kommunikationslevel 1 das schaffen?]

Um ehrlich zu sein, er hatte keine Unterhaltungen mit anderen Personen, außer mit seiner Familie und den Mitarbeitern des Gemischtwarenladens. Er führte dieses Leben fast ein Jahr lang. Er hat längst vergessen, wie man Leute anspricht.

[Subaru: Trotz der Tatsache, dass ich in einem Chat genauso schnell tippen kann, wie andere Leute sprechen…]

Seine Finger zitterten, Subaru war besorgt um seine Zukunft.

Und dann änderte sich seine Bewegung. Der Grund dafür war ein Geräusch.

Plötzlich konnte man Schritte in der Gasse hören – als er hingesehen hatte, standen dort drei Männer, die den Eingang blockieren wollten.


* Wenn man unter- oder oberhalb der Iris das Weiße sehen kann, nennt man das Sanpaku.
Beim Yin-Sanpaku-Blick sieht man unten das Weiße.
Beim Yang-Sanpaku-Blick, der seltener vorkommt, sieht man oben das Weiße.
Subaru hat den Yin-Sanpaku-Blick.

** Ein Hikikomori wird in Japan eine Person genannt, die sich freiwillig in ihrer Wohnung oder ihrem Zimmer einschließen und den Kontakt zur Gesellschaft auf ein Minimum reduzieren.

*** Der Opportunismus (lateinisch opportunus "günstig", "geeignet") bezeichnet die zweckmäßige Anpassung an die jeweilige Situation beziehungsweise Lage. Quelle: Wikipedia

² OP ist die Abkürzung für das englische Wort "Overpowered" und heißt soviel wie "stark".

³ Die Zeit zwischen 475 v. Chr. und 221 v. Chr. wird in der chinesischen Geschichte als die Zeit der Streitenden Reiche (chinesisch 戰國時代 / 战国时代, Pinyin Zhànguó Shídài) bezeichnet. Quelle: Wikipedia

Quelle: https://zeronaxon2.wordpress.com/2018/01/05/wn-arc-1-kapitel-1-kann-die-10-yen-muenze-nicht-verwenden/

Veröffentlichungsdatum: 2018-01-05

Übersetzt von Zeronaxon.